Das Studierendenteam, dass die Studie erstellt hat | Bild: active

Studie zu Industrie 4.0: Wie Studierende der Bremer Hochschulen Unternehmen helfen, Digitalisierung umzusetzen

Die Digitalisierung ist in Norddeutschland nur in Teilen angekommen. War diese Erkenntnis bisher nur gefühlt, hat dies nun ein Team aus vier jungen Studierenden der Active e.V. studentische Unternehmensberatung schwarz auf weiß bestätigt. 114 kleine und mittelständische Unternehmen aus Bremen und dem Umland sind dem Aufruf der Nachwuchsberater gefolgt.

Das wichtigste Ergebnis: Digitalisierung wird als große Chance gesehen, aber der Weg dahin ist noch unklar. So verbinden über die Hälfte der Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg mit Industrie 4.0, aber nur ein Drittel hat bereits Digitalisierungs-Projekte umgesetzt.

Tabelle aus der Studie zur Digitalisierung | Bild: active

Tabelle aus der Studie zur Digitalisierung | Bild: active

Über die Wichtigkeit von digitalen Prozessen und Geschäftsfeldern besteht jedoch kaum Zweifel: 73 Prozent der Befragten wollen in den kommenden fünf Jahren in die Anwendungsfelder von Industrie 4.0 investieren, seien es vernetzte Maschinen, Cloud Computing oder Big-Data. „Die Unternehmen motivieren vor allem die Möglichkeiten in der Qualitätssteigerung, der Produktionsoptimierung und der besseren Ressourcennutzung“, sagt Fabian Falke. Der 19-jährige Student der Produktionstechnik ist seit November 2015 bei Active dabei. Die Studie ist eins seiner ersten Projekte für das Beratungsunternehmen. „Mit den Projekten sind wir nah am echten Berufsleben und können viel praktische Erfahrung sammeln, das fasziniert mich“, erklärt er.

Die gesamte Studie lässt sich hier herunterladen. (PDF)

Bei der Digitalisierung müssen Unternehmen Risiken eingehen

Welches Ergebnis die Studenten überrascht hat? „Wir hätten erwartet, dass Unternehmen sich ein höheres Potenzial im Risikomanagement durch Industrie 4.0-Prozesse erhoffen. Das zeigt, dass vielen dieser Aspekt noch gar nicht bewusst ist“, so Falke. Durch digitale Datensammlung und -verarbeitung sowie das Überwachen aller Produktionsprozesse durch digitale Services können Risiken früher erkannt werden. Das liefert präzisere Ergebnisse für Szenarien und Risikoanalysen.

Die Kernherausforderungen sehen Bremer Unternehmen in der Veränderung: Kosten, Qualifizierung von Personal und fehlende Standardisierung machen den Weg in die Digitalisierung schwer. „Unternehmen dürfen aber nicht still stehen. Im Gegenteil, wer nicht handelt, bleibt höchstwahrscheinlich zurück“, sagt Hendrik Damm. Der 21-jährige Betriebswirtschaftler im vierten Semester ist wie Falke seit November 2015 dabei.

Auch beim i2b Branchentreffen Industrie 4.0 war active dabei | Bild: active

Auch beim i2b Branchentreffen Industrie 4.0 war active dabei | Bild: active

Studenten helfen Unternehmen

Mit der Studie hat Active wertvolle Einsichten in Unternehmensprozesse in der Region erhalten. Und genau diese Firmen möchten sie jetzt tatkräftig unterstützen: „Mittelständischen Unternehmen können wir vieles bieten: Wir erstellen Business Cases, um zu errechnen, wie wirtschaftlich das Implementieren von Industrie 4.0 in den jeweiligen Firmen ist. Wir helfen bei Prozessaufnahme und -optimierung, entwickeln Geschäftsmodelle und Produkte weiter oder wollen Seminare und Workshops veranstalten, bei denen Unternehmen Erfahrungen austauschen können“, so Damm. Ein Beispiel: Für die FAUN Kirchhoff Gruppe, einem Umweltunternehmen aus Osterholz-Scharmbeck, führte Active ein Kanban-System ein, das die Grundlage für Industrie 4.0-Aktivitäten sein kann.

Frische Ideen für jede Branche

Seit zehn Jahren unterstützen die Studenten von Active Unternehmen in Bremen und im Umland. Kern ihrer Arbeit ist die Optimierung von Geschäftsprozessen aller Art. „In unserem Team arbeiten Ingenieure, Betriebswirtschaftler und Wirtschaftswissenschaftler, aber auch angehende Chemiker, Psychologen oder Marketingexperten. So können wir für jedes Projekt auf Spezialisten zurückgreifen, die sich auskennen“, sagt Damm. Die Beratung ist auf mittlerweile 50 Studenten angewachsen, insgesamt haben sie 60 Projekte umgesetzt: Die fangen bei Marktforschung oder Kundenanalyse an, bis hin zur Einführung von Lean Management oder, wie bei FAUN, Kanban-Systemen.

„Wir bringen aktuelles Hochschulwissen ein und verbinden es mit frischem, kreativem Denken“, so Damm. „Zudem wollen wir mit unseren Projekten sowohl uns als auch die Unternehmen, in denen wir sind, voranbringen. Wir haben keine vorgefertigten Schokoladenlösungen.“ Ein Team aus Hochschulprofessoren, wie dem Leiter des Forschungsbereichs Informations- und kommunikationstechnische Anwendungen in der Produktion (IKAP) des BIBA-Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH, Professor Klaus-Dieter Thoben, steht den Studenten zudem beratend zur Seite. Thoben ist  Experte für Industrie 4.0.

Wie man ein Projekt zusammen mit den Studenten anfängt? „Ganz einfach: Wir vereinbaren gemeinsam einen Termin zum Kennenlernen und unterhalten uns mit Unternehmern über ihre Ideen, Vorschläge oder Wünsche. Meistens ergibt sich dann schon von ganz allein ein spannendes Projekt für uns“, so Damm.